Etikette? Ist das nicht das Preisschild im Supermarkt???   Fast richtig aber hier geht es um etwas ganz anderes!

Das Wort kommt mal wieder aus einer anderen Sprache und soll soviel heißen wie "Benehmen".
Also wie wir uns als Ju-Jutsukas im Training, bei Lehrgängen und im Wettkampf gengenüber unseren Trainern, Trainingspartnern oder Wettkampfgegnern verhalten.

Ju-Jutsu ist eine Kampfsportart die aus Japan kommt und dort sind Regeln im Umgang miteinander viel wichtiger als bei uns.
Ein kleiner Teil dieser Kultur steckt in unserer Ju-Jutsu-Etikette und bildet die Basis, wie wir miteinander umgehen.

Auch die Gäste die im Training zuschauen (Eltern, Geschwister, Schnupperteilnehmer usw.) sollten sich an die Regeln in der Halle halten!

Körperhygiene

  • Der Ju-Jutsuka ist stets gepflegt; er hat geschnittene Zehen- und Fingernägel.
  • Schmuck, Uhren etc. dürfen nicht getragen werden, nicht abnehmbarer Schmuck ist mit Tape abzudecken (Verletzungsrisiko!).
  • Der Ju-Jutsuka trägt außerhalb der Matte oder des Dojo aus Hygienegründen immer Schuhe (z.B. Badeschuhe). Wenn vergessen, sind Socken zu tragen!

Kleiderordnung

  • Der Ju-Jutsuka trägt einen sauberen Anzug (Gi).
  • Bei Prüfungen wird stets ein weißer Gi getragen, auf Lehrgängen und im Wettkampf ist auch ein blauer Gi möglich, im Training ist ein weißer, schwarzer oder blauer Gi erlaubt.
  • Mädchen und Frauen tragen ein T-Shirt oder Sporttop unter dem Gi. Im Training auch für Jungs und Männer erlaubt (während einer Prüfung nicht!)
  • Der Gürtel ist korrekt gebunden und die Farbe entspricht dem Stand der abgelegten Prüfung.

Betreten der Sporthalle (Dojo) oder der Matte

  • Da meist Matten aufgebaut werden müssen kommen wir mindestens eine viertel Stunde vor Trainingsbeginn in die Halle.
  • Beim Betreten des Dojo verneigt man sich in die Halle: hierdurch drückt man dem Ort des Lernens Respekt aus und ordnet sich den Regeln und der Etikette des Dojo unter. Alle Gedanken und Probleme des Alltags bleiben zurück.
  • Wenn auf der Mattenfläche gerade an- oder abgegrüßt wird, verstummen alle Personen in der Halle gemeinsam und die Hallentür bleibt solange zu.
  • Die Schuhe werden mit der Ferse zur Matte abgestellt, die Matten nie mit Schuhen betreten.
  • Die Matte wird zuerst mit dem linken Fuß betreten (Achtsamkeit).

Angrüßen vor und nach dem Training (Kommandos werden vom Lehrer oder dem ranghöchsten Schüler erteilt)

  • Aufstellung: Aus Sicht des Trainers stehen die hohen Graduierungen links, die niedrigen rechts (wer keinen Gi anhat steht ganz rechts)
  • Kommando "Seiza":  Abknien zuerst mit dem linken Bein, dann mit dem rechten. Zehen sind aufgestellt und werden erst vor dem Absitzen abgelegt. Hände liegen auf den Oberschenkeln oder werden wie in der klassischen Zen-Meditationshaltung ineinander gelegt.
  • Kommando "Mokuzo": der Ju-Jutsuka verharrt in völliger Bewegungslosigkeit und versucht seine Gedanken zu konzentrieren auf das Training. 
  • Kommando "(Mokuzo-)Jame": die Meditation wird aufgelöst und die Hände werden aus der Meditationsstellung auf die Oberschenkel gelegt.
  • Kommando "(Sensei ni) Rei": Lehrer und Schüler verneigen sich zueinander, die Hände werden im Dreieck auf die Matte gelegt und leicht mit der Stirn berührt, dies schließt den individuellen in sich selbst gerichteten Prozess ab. (die Ergänzung "Sensei ni" wird nur angefügt, wenn ein Schüler das Kommando gibt).
  • Aufstehen: zuerst erhebt sich der Lehrer, dann die Schüler: Aufrichten in den Kniestand, Zehen aufstellen, mit Drehung rechts aufstehen.
  • Kommando "Rei": Lehrer und Schüler verneigen sich zueinander, die Hände werden auf die Oberschenkel gelegt, die Beine sind geschlossen.
  • Trainingsbeginn

Verneigungen zum Trainer (Meister oder Sensei): „Sensei ni rei“

  • Augen richten sich zum Boden (Hintergrund: vom Lehrer geht niemals eine Gefahr aus).
  • Die Hände werden auf die Oberschenkel gelegt.
  • Das Verneigen geschieht in respektvoller Achtung.

Verneigen zum Trainings- oder Wettkampfpartner „Otogai ni rei“

  • Blickkontakt wird aufrechterhalten (Hintergrund: der Partner ist imaginärer Gegner).
  • Die Hände werden auf die Oberschenkel gelegt.
  • Das Verneigen soll Respekt und Achtung vor dem Partner zum Ausdruck bringen.

Verhalten auf der Matte

  • Der Ju-Jutsuka trainiert immer ruhig, konzentriert, respektvoll und achtsam.
  • Eine ordentliche Haltung und Benehmen auf der Matte ist selbstverständlich.
  • Höher Graduierte sind stets für niedriger Graduierte verantwortlich.
  • Die Sicherheit und Unversehrtheit des Partners hat stets Vorrang.
  • Bei Würfen ist auf Sicherung des zu Werfenden aber auch auf Eigensicherung zu achten.
  • Bei Hebeln und Würgern ist rechtzeitig abzuklopfen, der Trainingspartner beendet beim abklopfen seine Technik.
  • Die Trainingspartner und Wettkampfgegner werden mit Respekt behandelt. Es wird stets fair trainiert oder gekämpft ohne unsportliche Techniken oder Hintergedanken.
  • Der Ju-Jutsuka wahrt immer seine Selbstbeherrschung. Er tritt bescheiden auf und ist durch sein Verhalten für andere ein Vorbild.
  • Während des Trainings sind Gespräche zu reduzieren. Man soll sich auf das Training konzentrieren.
  • Muss der Ju-Jutsuka die Matte oder das Dojo verlassen (z.B. Toilette), so hat er sich beim jeweiligen Lehrer abzumelden.
  • Wenn der Trainer etwas erklärt sammeln sich die Schüler ruhig und unverzüglich im Halbkreis um den Lehrer.
  • Vor und nach Trainings- oder Lehrgangspausen nehmen Lehrer und Schüler Aufstellung zueinander ein und grüßen im Stand mit Rei.

Verhalten in der Gürtelprüfung

  • Der Ju-Jutsuka erscheint pünktlich (ca. eine Stunde vorher) und mit allen nötigen Unterlagen am Prüfungsort, ansonsten nimmt er an der Prüfung nicht teil.
  • Der Prüfling steht in der Prüfung aus der Sicht des Prüfers immer rechts vom Prüfer, sein Partner links.
  • Prüfling und Partner verneigen sich zum Zeichen des Respekts zueinander vor und nach jedem Prüfungsabschnitt oder bei jedem Partnerwechsel.
    Ein Verneigen zum Prüfer erfolgt nur am Anfang und am Ende der Prüfung.
  • Alle Prüfungsteilnehmer verhalten sich ruhig und konzentriert, sie sind stets bereit als Prüfling oder Partner zur Verfügung zu stehen.
  • Weisungen der Prüfungskommission sowie das Prüfungsergebnis werden vom Prüfling ohne Diskussion akzeptiert.

Verlassen des Dojo

  • Das Dojo wird stets nur in sauberem und aufgeräumtem Zustand verlassen.
  • Vor dem Verlassen des Dojo verneigt man sich in die Halle: hierdurch drückt man dem Ort des Lernens Respekt aus.

Loyalität...

… gegenüber dem Trainer (Meister), dem Dojo, seinen Trainingskollegen, dem Verein und dem Verband.